Einfluss von GLP-1-Rezeptorantagonisten auf Konsumverhalten / Zusammenhang von Mikrobiom und IBS / Schutzwirkung der COVID- Impfung in der Schwangerschaft / Dizygote, gesunde Zwillinge nach Transfer von aneuploiden (nicht Mosaik-)Embryonen / Hormonelle Therapie und muskuläre Leistungsfähigkeit bei Transgender-Personen / LNG-IUD vs. hysteroskopische Nischenresektion / Neue Ansätze im sFGR-Management
In einer aktuellen Metaanalyse wurden die Effekte (u. a. ein Drittel weniger Hospitalisationen wegen Alkoholintoxikation, 40 % weniger Opioid-Intoxikationen) zusammengefasst, Suchtmediziner interessieren sich daher zunehmend für diese Substanzgruppe (Walter-Evans A et al. Clinical Evidence, GLP-1RAs for Addiction Treatment. Mechanisms, and Public Health Implications [December 23, 2025] SSRN).
Martin Heubner
Die vorliegende Studie hat das intestinale
Mikrobiom bei Frauen mit IBS untersucht.
Interessanterweise wurde eine Dysbiose mit
vor allem Histamin produzierenden Bakterien (E. coli, Enterobacter spp,
Clostridium spp) und Candida albicans gefunden mit einer Verminderung von
protektiven Bakterien wie Lactobacillus und Bifidusbakterien dokumentiert.
Diese Flora ist histaminogen und assoziiert
mit diätetischen Faktoren wie Fast-Food-Konsum und begünstigt im Übrigen auch
Harnwegsinfektionen.
Diese Resultate sind sehr interessant und
unterstützen möglicherweise als therapeutischen Ansatz das Stützen des
physiologischen Mikrobioms bei IBS und rezidivierenden Harnwegsinfekten
(Florina R, Călin A, Mardale E, Maior R, Filip C, Nemeth S. Histamine-Producing
Intestinal Dysbiosis and Its Role in Lower Urinary Tract Infections and
Irritable Bowel Syndrome in Young Women Nutrients (2025 Dec 19; 18[1]:16. doi:
10.3390/nu18010016).
Annette Kuhn
(Money D et al. JAMA.doi:10.1001/jama.2025.21001)
Kommentar
Seit CDC in den Staaten
durch den heisseren Gesundheitsminister mundtot gemacht wurde, kommen weniger
Daten über COVID und Schwangerschaft aus dieser ehemals für die ganze Welt
wichtigen Institution. Es wundert mich nicht, dass der nördliche Nachbarstaat
Kanada da Salz in die amerikanische Wunde streut. Ich weiss, ist etwas
polemisch von mir. Darum die Facts. Diese Studie (n = 19 899), 72 %
Geimpfte (80 % vor der Schwangerschaft) hat gezeigt, dass Schwangere nach
COVID-19-Impfung mit einem geringeren Risiko für Hospitalisation (Delta:
relatives Risiko [RR], 0,38; Omikron: RR, 0,38) und Aufnahme auf die
Intensivstation (Delta: RR, 0,10; Omikron: RR, 0,10) sowie Frühgeburten (Delta:
RR, 0,80; Omikron: RR, 0,64) assoziiert waren unabhängig von den
SARS-CoV-2-Varianten. Die Impfrate ist, verglichen mit der aktuellen, enorm
hoch. Das rührt daher, dass die Daten aus dem Pandemiejahr 2022 stammen.
Luigi Raio
Eine 42-jährige alte Patientin wünschte
gemeinsam mit ihrem Partner zur „Balancierung der Familie“ mittels
NGS-Sequencing PGT-A eine Schwangerschaft mit einem Mädchen.
Nach der PGT-A war das Ergebnis drei
aneuploide weibliche Embryos (5AB XX-Monosomie 5, Monosomie 18; 4CC
XX-Monosomie 11p18;4CC XX-Monosomie 9, Monosomie 18).
Nach genetischer Beratung entschloss sich
das Paar, die drei aneuploiden weiblichen Embryonen zusammen mit dem vierten,
einem „normalen“ männlichen Embryo (5 AB 46, XY) zu transferieren. Die
Schwangerschaft war gefolgt von einer Spontangeburt in der 36. SSW von
zwei gesunden dizygoten Mädchen. Die postnatale Chromosomale ergab 2-mal 46 XX.
Sieben Jahre später sind die Mädchen gesund und unauffällig (Tise CG et al.
Fertil Steril. 2025; 124:1016–22).
Kommentar
Da es sich nur um einen
Case-Report handelt, braucht es grössere prospektive Studien, um abschätzen zu
können, ob euploide Kinder nach Transfer aneuploider Embryonen eine Rarität
oder ein regelhafter Prozess sind. Die Autoren initiierten eine solche „TAME-Study“
(University of Stanford) als Konsequenz dieses Ereignisses. Wie ist Obiges
möglich?
Bei der PGT-A biopsiert
man den Trophoblasten (5–20 Zellen) und nicht den Embryo. Aneuploide
Zellen können im Entwicklungsprozess eliminiert werden. Bei sog. Mosaiken
(Aneuploide neben euploiden Zellen im Biopsat) (siehe Frauenheilkunde aktuell 2025; 2:3–8)transferieren wir, falls keine euploide zur
Verfügung stehen, nach genetischer Beratung und Zustimmung des Paares
regelhaft.
Bisher gibt es über
500 Publikationen, wonach es nach Mosaiktransfer zu gesunden Kindern kam
(Yakovlev P et al. Reprod. Biomed. Online 2022; 48:88–100). Ein Entsorgen
aneuploider Embryonen ohne ausführliche Information und Zustimmung des Paares
ist haftungsrechtlich problematisch. Ein Aneuploidie-Transfer sollte immer an
letzter Stelle stehen ohne Abrücken vom single-embryo transfer.
Michael K. Hohl
Wir haben es in der Sprechstunde ja schon
immer vermutet: Die Hormontherapie hat einen Einfluss bei Transgender-Personen
während der Transition. Die vorliegende Studie hat eine Metaanalyse von
15 Studien, die 722 transmaskuline Personen und 484 transfeminine Personen
ausgewertet. Das mediane Alter betrug 23–37 Jahre respektive
27–41 Jahre.
Nicht ganz überraschend hat die Muskelkraft
bei transmaskulinen Personen deutlich zugenommen, bei transfemininen Personen
klar abgenommen, dies bei gleich gebliebener physischer Aktivität.
Ein moderater Bias wurde notiert, was die
Aussagekraft einschränkt und selbstverständlich weitere prospektive und gut
qualitative Forschung erfordert. Trotzdem denke ich, dass es interessante Daten
sind und uns helfen, Personen in dieser Situation zu erklären, was während der
Transition passiert und um eine Trainingsempfehlung evidenzbasiert abzugeben.
(Kamp Nørlund M et al. Muscle strength changes and physical activity during
gender-affirming hormone therapy: A systematic review. Andrology 2026 Jan; 14(1):303–21.
doi: 10.1111/andr.70058. Epub 2025 May 1 PMID: 40377542 PMCID:
PMC12670482 DOI: 10.1111/andr.70058)
Annette Kuhn
In einer randomisierten Studie mit über 200 Patientinnen zeigte sich nach drei Jahren das LNG-IUD deutlich überlegen (99 % Reduktion des Spottings um mindestens 50 % versus 52 % nach OP). Auch die Blutungsdauer und pelvine Schmerzen wurden günstig beeinflusst. (Yan L et al. Levonorgestrel intrauterine system vs hysteroscopic niche resection for postmenstrual spotting: a 3-year randomized trial follow-up. AJOG 2026; 234,2:390–9).
Martin Heubner
(Lopian M et al. BJOG. 2025; 0:1–10. https://doi.org/10.1111/1471-0528.70116)
Kommentar
Verstehe, dass dies nicht unbedingt eine Frage ist, welche viele der Leser
sich stellen oder mit einer solchen Pathologie konfrontiert sind. Das ist aber
eine imposante Anzahl von monochorialen Fällen (n = 624) aus drei grossen
europäischen Zentren, welche retrospektiv untersucht wurden. Ein Modell,
welches die EFW- und UA-PI-Diskordanz einbezieht, übertrifft die aktuelle
klinische Klassifizierung nach den Gratacos-Typen bei der Vorhersage
unerwünschter perinataler Ereignisse. Ich habe „wahrscheinlich“ geschrieben,
denn diese Ergebnisse müssen durch prospektive Validierungsstudien noch
bestätigt werden. Schwangerschaften mit zunehmender EFW- oder UA-PI-Diskrepanz,
selbst wenn sie die traditionellen Grenzwerte nicht erreichen, könnten für eine
engere Überwachung oder frühere Intervention priorisiert werden, was das Risiko
von Totgeburten und schwerer neonataler Morbidität verringern könnte. Bin
gespannt, ob diese neue Betrachtung dieser komplexen Plazentasituation
tatsächlich hilfreich sein wird.
Luigi Raio