Prof. Maximilian Klar, MPH

Prof. Michael Heubner: Was ist ihr Lieblingsessen?
Prof. Maximilian Klar: Selbstgemachte Orecchiette con sugo e formaggio ricotta (frische kleine
Tomaten, Basilikum, Knoblauch, wenige Kapern, Ricotta-Hartkäse aus Apulien,
sehr langsam auf kleiner Flamme gekocht) in der kleinen Küche meiner lieben
Schwiegermutter in Rom, begleitet von vielen Geschichten aus ihrem Leben und
einem Glas Rotwein.
Alternativ: Griechischer Salat (alle
Zutaten gröbst und begeistert gehackt von unserem neunjährigen Sohn Nicolas)
mit roten Zwiebeln, Kalamata-Oliven, Paprika, frische Tomaten, Gurke,
Basilikum, Feta von der Ziege und bestem Olivenöl.
Was sind Ihre HeldInnen
in der Geschichte?
Ich glaube
nicht an klassische Helden, es gibt aber natürlich einzelne Menschen, die mich
beindrucken. In meiner Familie hat mich beispielsweise mein Grossvater
fasziniert, der im Dritten Reich seine pazifistische Grundhaltung nicht verlor
und auch nach aussen vertrat. Seine Familie wurde mit drei kleinen Kindern 1944
aus Breslau vertrieben. Er lief in den letzten Kriegswochen zu Fuss aus
Westfalen mehrere hundert Kilometer, um einige wenige wichtige Güter aus dem
verlorenen Haus zu holen (was ihm letztendlich nicht gelang, weil alles
zertrümmert und geraubt war). Dieser Mut, diese Selbstlosigkeit und
Leidensbereitschaft haben mich beeindruckt, sein Scheitern am Ende macht das
Ganze noch sympathisch.
In meiner
Kindheit war mein Idol Leonard Bernstein. Alles, was ich von ihm und über
ihn gehört, gesehen und gelesen habe, zeugt von einem Menschen mit
unvergleichbarem Charisma, musikalischer Kreativität, Schaffensdrang,
Menschenliebe und Intelligenz.
Wenn Sie etwas extrem
übertrieben haben, dann haben Sie was genau gemacht?
Dann schwamm ich in Irland nach fast
200 km Rennrad am Abend in einem großen See, in dessen Mitte mich die
Kräfte auf einmal verliessen – oder ich durchlief Zwelihle, einem township
von Hermanus, Südafrika, vorbei an bewaffneten Jugendlichen, um eine Freundin
zu suchen, die ich seit 20 Jahren nicht besuchen konnte (erfolglos, ich
fand ihre Hütte nicht) – oder ich meinte vor Kurzem, für einen podcast des
KSA die d-moll-Fantasie von Mozart ohne jegliche Übung ad
hoc einspielen zu können …
Was ist Ihre grösste
Stärke?
Ich habe gerade meine Frau gefragt: Sie
sagt, ich sei klug und ganz hübsch anzusehen …
Was ist Ihre grösste
Schwäche?
Ich bin ein sehr schlechter Verlierer im
Tennis.
Welchen Artikel, den Sie
in den letzten 12 Monaten
gelesen haben, hat den grössten Eindruck auf Sie gemacht, und warum?
Ein paar beeindruckende Artikel, die ich
zuletzt (auch erneut) gelesen habe, stammen von John
Ioanidis, Alain de Botton, David Whyte und Oliver Burkman.
Welche Herausforderungen
sehen Sie für die Medizin/Frauenheilkunde der nächsten 20 Jahre?
Auch in der Schweiz führen die zunehmende
Ökonomisierung, der Wettbewerb und der Haftungsdruck zu kritischen
Veränderungen in den Indikationsstellungen, aber vor allem auch zu weniger
Bereitschaft, in die Aus- und Weiterbildung und die gute Zusammenarbeit
zwischen den Kliniken zu investieren. Dieser externe Druck fordert uns in
unserem Selbstverständnis als klinisch tätige Frauenärzte. Wir können uns aber
in diesem Spannungsfeld mit Mut, kontinuierlicher Weiterbildung und einem
wohlwollenden Miteinander bewegen, wenn wir es wollen.
Welche Herausforderungen
sehen Sie für sich für die nächsten 20 Jahre?
Die richtige Balance zu finden zwischen
meinem Ziel, ein exzellenter klinischer Forscher und ein guter Ehemann und
Vater zu sein.
Wann und warum sind Sie
das letzte Mal rot geworden?
Das sollte ich hier besser nicht schreiben
Wie definieren Sie
Erfolg?
Für mich wird Erfolg vor allem von internen
Faktoren bestimmt. Selbsterkenntnis, Werttreue und kontinuierliche Entwicklung
sind vielleicht am wichtigsten. Einen Beitrag zu leisten, um individuelles
Leiden zu mindern, bedeutet für mich Erfolg. Ein erfolgreiches Leben ist für
mich ein Leben mit einem inneren Reichtum, der sich beispielsweise aus
stimulierenden Gesprächen und Begegnungen, Reflektionen, Erlebnissen und
kreativem Schaffen aufgebaut hat.
Was war das erste, auf
das Sie richtig stolz waren?
Als meine Mutter mir als kleines Kind
abends am Bett das erste Mal sagte, dass sie stolz auf mich sei. Ich wusste
nicht warum, spürte aber eine grosse Wärme, die vielleicht auch Stolz war.
Bei welchem Lied im
Radio singen Sie laut mit?
Die Lieder, bei denen ich mitsingen würde,
laufen entweder nicht oder nicht mehr im Radio (wobei ich mich schon vor
einiger Zeit einmal gefreut hatte, das Radiohead lief).
Mit wem würden sie gerne
mal einen Tag tauschen?
Mit einem unserer Kinder.
Welche Stadt würden Sie
immer wieder besuchen?
Per conoscere
Roma non basta una vita.
Was machen Sie, wenn Sie
nicht einschlafen können?
Meditation.