ERAS vs. konventionelle Konzepte nach laparoskopischer Hysterektomie / Invasive Diagnostik bei rezidivierenden Harnwegsinfekten / Perinatale Mortalität / Morbidität bei 22+0–26+6 SSW / Assoziation von oralem Mikrobiom und Kognition / Wirksamkeit von Lidocain bei IUP-Einlage / Riechen Männer die fruchtbaren Tage? / Wirksamkeit von Aspirin bei Frühgeburtsprävention / Onkoplastische Operationstechniken bei lokal fortgeschrittenem Brustkrebs / Mikroplastik in Glasflaschen-Getränken / Wirksamkeit der HPV-Impfung bei HPV-positiven Frauen / Wirksamkeit oraler Azole bei Vulvovaginal-Candidiasis / Einfluss von Kunst auf das Gehirn
In einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse von acht Studien mit insgesamt 948 Patientinnen konnte gezeigt werden, dass ERAS im Vergleich zur traditionellen postoperativen Betreuung zu einer Verkürzung der Hospitalisation um durchschnittlich 1,9 Tage führt. Zudem waren postoperative Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie die postoperative Komplikationsrate signifikant geringer. Auch die Zeit bis zur Wiederaufnahme der Darmfunktion war verkürzt. Kein Unterschied bestand hingegen bei der Operationsdauer und der Re-Admissionsrate. Subgruppenanalysen der randomisierten kontrollierten Studien bestätigten die Robustheit der Ergebnisse, wenngleich eine hohe Heterogenität vorlag, die vor allem auf unterschiedliche Operationsverfahren zurückgeführt wurde. Entsprechend den Autoren, und trotz dieser Limitationen, stützt die Evidenz den Einsatz von ERAS bei benignen Erkrankungen auch im Bereich der minimal-invasiven Hysterektomie, auch wenn weitere Studien notwendig sind, um Standardisierung, Nachhaltigkeit und langfristige Effekte auf Patientinnenzufriedenheit und Gesundheitsökonomie zu bewerten (Ayogu CI et al., J Minim Invasive Gynecol [2025]: 775–83).
Kommentar
Der Hauptunterschied
zwischen beiden Gruppen lag in der Hospitalisationszeit. Diese
Hospitalisationszeit war in den eingeschlossenen Studien mit 3,5 bis
5 Tagen (je nach Land und Klinikorganisation) sehr hoch. Unter ERAS sank
sie auf ca. 1,5 bis 3 Tage, eine Zahl welche in vielen Kliniken, auch ohne
ERAS, erreicht wird.
Michael D. Mueller
Ein systematischer Review hat sowohl die Diagnostik als auch die Therapie bei rezidivierenden Harnwegsinfekten analysiert. Der Review kommt zu dem Schluss, dass Urinkulturen und Ultraschall in der Evaluation rezidivierender Infekte bei Frauen indiziert sind, nicht aber generell weitere invasive Untersuchungen. Diese müssen auf einer individuellen Basis angeordnet werden. Nicht-antibiotische Therapien wie Mannose, Preiselbeersaft und lokale Östrogene sind effektiv mit weniger Nebenwirkungen als Antibiotika (Schmiemann G et al., The diagnosis, tretament and prevention of recurrent urinary tract infections DtschArztebl Int 2024; 121: 373–82).
Annette Kuhn
(Travers CP et al., Acta Obstet Gynecol Scand. 2024;00: 1–15)
Kommentar
Diese Studie umfasste
eine Kohorte von 7140 Einlingsschwangerschaften aus 25 US-Zentren,
von denen 4170 (58,4 %) per Kaiserschnitt und 2970 (41,6 %) vaginal entbunden
wurden. Prospektiv erhobene Daten über das neurologische Outcome lagen in 90.3 %
der Fälle vor. Es ist eine neonatologische Studie und entsprechend haben wir
wenig Information bzgl. der Indikation zur Entbindung und maternalen
Komplikationen. Jedenfalls war in der Sectiogruppe der maternale Zustand die
Indikation zur Entbindung (v. a. hypertensive Komplikationen) und bei den
vaginal entbundenen Fällen die Problematik der Chorioamnionitis/vorzeitiger
Blasensprung signifikant häufiger vorzufinden. Die Mortalität und schwere
neurologische Beeinträchtigung waren bei Sectio (42.4 %) und vaginaler Geburt
(47.2 %) statistisch nicht unterschiedlich. Kinder, welche aus BEL vaginal
geboren wurden (6.4%), hatten die höchste Problematik. Vor 23 Wochen war
die neonatale Mortalität und Morbidität nach Sectio niedriger. Nach
18–26 Monaten wiesen Kinder nach Sectio eine höhere Mortalität und
Morbidität auf. Darum habe ich beim Einleitungssatz „kaum“ geschrieben!
Luigi Raio
In einer Studie an 146 älteren Menschen zeigte sich, dass der vermehrte Nachweis pro-inflammatorischer Bakterien mit einer schlechteren kognitiven Funktion vergesellschaftet war. Bereits in anderen Studien wurden Zusammenhänge zwischen demenziellen Erkrankungen und dem oralen Mikrobiom postuliert. Mundhygiene sorgt vielleicht nicht nur für schönere Zähne (Adnan D et al., Nature 2025, npj Dement. 1,1).
Martin Heubner
Obwohl IUPs eine sichere und hochwirksame Verhütungsmethode sind, stellen Schmerzen bei der Insertion nach wie vor eine wesentliche Barriere für ihre Nutzung dar. Eine systematische Literaturübersicht seit 1995 untersuchte pharmakologische und nicht-pharmakologische Strategien zur Schmerzreduktion. Die überzeugendste Evidenz liegt für lidocain-basierte Verfahren vor, insbesondere für den parazervikalen Block, 10 % Lidocain-Spray und 5 % Lidocain-Prilocain-Creme. Ergänzend zu Lidocain können niedrigschwellige Maßnahmen wie Ultraschallkontrolle, Musik oder die „Cough“-Methode eingesetzt werden, vor allem bei Patientinnen mit erhöhtem Risiko für starke Schmerzen – etwa Nulliparae, Frauen mit Dysmenorrhö, Trauma in der Vorgeschichte oder hoher Schmerzantizipation. Für andere Ansätze, darunter verschiedene NSAR, Dinoproston, transkutane elektrische Nervenstimulation oder Akupunktur, ist die Evidenzlage bislang unzureichend. Trotz der verbreiteten Praxis, prophylaktisch Ibuprofen zu verabreichen, zeigen aktuelle Daten, dass topische und injizierbare Lidocain-Präparate effektiver sind (Obstet Gynecol Surv [2025]; 80: 516–29).
Michael D. Mueller
In einer experimentellen Studie, die im
renommierten Journal Science publiziert wurde, fand
man, dass der weibliche Körpergeruch in der ovulatorischen Zyklusphase bei
Männern die Stimmung aufhellt.
Geruchsproben aus der Axilla von 21
gesunden jungen Frauen (ca. 25-jährig) wurden in vier Zyklusphasen entnommen
und von 21 gesunden, jungen (ca. 25-jährig) heterosexuellen Männern beurteilt
nach Intensität und „wie angenehm der Geruch sei“.
Die periovulatorischen Proben wurden als
zitrusartig duftend wahrgenommen, die anderer Zyklusphasen als essigartig und
muffig. Die chemische Analyse (Massenspektrographie) der als angenehm
empfundenen Proben (periovulatorischen) zeigte:
Die obigen Substanzen wurden in
isolierter Form von den Männern noch intensiver und als angenehm beurteilt.
In weiteren Experimenten wurden den
Testpersonen gleichzeitig zu den Gerüchen Bilder von Frauengesichtern
vorgelegt: im Kontext der Gerüche wurden auch nicht so attraktive
Frauengesichter durchwegs positiv aufgenommen, die Männer fühlten sich ruhig,
getröstet und relaxed (Ohgi N. et al., Science 2025;28: 113087) (graphical
Abstract).
Kommentar
Im Tierreich spielen
Pheromone und deren Wahrnehmung eine überragende Rolle bei der Fortpflanzung.
Eine Hypothese ist, dass im Laufe der Evolution Gerüche anders als Pheromone
sich zu einem Kommunikationswerkzeug gewandelt haben sollen mit
Entspannungswirkung, was die Interaktion Mann-Frau erleichtere.
Ich denke aber, dass die
Erfindung von Parfüms eher in den Bereich klassische Pheromone gehört, was eine
Anekdote unterstreicht: Napoleon soll regelmässig einen Boten zwei Tage vor
seinem erwarteten Eintreffen zu seiner Josephine gesandt haben mit dem Befehl ,
sie solle sich ab sofort nicht mehr waschen.
Abb. 1
Michael K.Hohl
(Ayyash MK et al., JNMA 2025; https://doi.org/10.1016/j.jnma.2025.08.004)
Kommentar
Im Dezember 2014 hat die
United States Preventive Services Task Force (USPSTF) Aspirin 81 mg bei
Frauen mit erhöhtem Risiko für Präeklampsie empfohlen. Die Autoren dieser
Arbeit haben nun die Inzidenz von Frühgeburt <37 und <34 Wochen in den
Jahren vor dieser Weisung (2010–2014) und nach der Einführung der Empfehlung
(2016–2021) verglichen. Die adjustierten Analysen zeigten tatsächlich
niedrigere Frühgeburtsraten (PTB) in der Post-ASA-Gruppe: vor
37 Schwangerschaftswochen: 8,4 % vs. 8,8 %; aOR 0,940 [0,937–0,944]; vor
34 Schwangerschaftswochen: 2,3 % vs. 2,4 %; aOR 0,92 [0,910–0,923].
Allerdings folgten die
beobachteten Trends nach Einführung von ASA den prognostizierten Entwicklungen
zunächst eng, bis sie im Jahr 2021 die Prognosen sogar überschritten (höher als
erwartet).
Luigi Raio
Lokal fortgeschrittener Brustkrebs (LABC)
macht etwa 5 % der Diagnosen in Industrienationen und bis zu 60 % in
Entwicklungsländern aus. Früher war die Mastektomie Standard, heute steht eine
multimodale Therapie mit neoadjuvanter Chemotherapie, brusterhaltender
Operation und Bestrahlung im Vordergrund. Ausgedehnte onkoplastische
brusterhaltende Operationen (eOPBCS) erlauben grosse Resektionen mit
gleichzeitiger Brustrekonstruktion, ihre onkologischen Ergebnisse im Vergleich
zur Mastektomie waren jedoch bislang nur wenig untersucht.
In einer systematischen Übersichtsarbeit
mit Metaanalyse (33 Studien, 2902 Patientinnen) zeigte sich: 16 %
erhielten eOPBCS, meist jüngere Frauen mit grösseren Tumoren. Die
Gesamtüberlebensrate war bei eOPBCS tendenziell besser als nach Mastektomie (HR
1,72), während krankheitsfreies Überleben und Lokalrezidivraten vergleichbar
waren.
Fazit: eOPBCS bietet bei ausgewählten
Patientinnen mit LABC eine vielversprechende Alternative zur Mastektomie.
Leicht erhöhte, aber nicht signifikant unterschiedliche Lokalrezidivraten
unterstreichen die Notwendigkeit sorgfältiger Patientinnenauswahl und weiterer
prospektiver Studien. (Megan
Chua Wern Ee et al., Oncological outcomes following extreme oncoplastic breast
conserving surgery [eOPBCS] for locally advanced breast cancer [LABC]: A
systematic review and meta-analysis. The Breast 79 [2025]
103869)
Cornelia Leo
Mikroplastik ist, leider wortwörtlich, in aller Munde. Viele Menschen bevorzugen wieder Wasserflaschen, unter anderem mit dem Ziel, Mikroplastik zu vermeiden. In einer französischen Untersuchung zeigte sich nun aber: leider haben einige Getränke in Glasflaschen sogar höhere Konzentrationen an Mikroplastik als PET-Flaschen. Verursacht wird dies wohl durch den Abrieb der Verschlussdeckel. Positiv heraus sticht Wein, ein Hoch auf den altmodischen Korkzapfen! (Chaïb, I, Journal of Food Composition and Analysis 2025; 144)
Martin Heubner
Eine kürzlich publizierte Studie hat
untersucht, welchen Effekt die nonavalente HPV-Vakzine (Gardasil®) auf die
HPV-Positivität bei ursprünglich nicht geimpften Frauen haben kann. Denjenigen
mit HPV-Positivität (n = 320) wurde eine Impfung angeboten, die
250 Personen wahrnahmen und 70 nicht.
Das Virus konnte beim Follow-Up in der
Gruppe der Geimpften bei 72.4 % nicht mehr nachgewiesen werden, bei den nicht
Geimpften in 45.7 % nicht mehr nachgewiesen werden.
Diese Studie zeigt, dass eine HPV-Impfung
auch bei bereits stattgehabter Infektion mit HPV sinnvoll ist, im Übrigen auch
nach Konisation wegen HSIL.
Wahrscheinlich kann die Impfung auch in
dieser Patientinnengruppe das Auftreten von Zervixkarzinomen, vaginalen und
vulvären Neoplasien und anderen HPV bedingten Läsionen verhindern. (Pruski D et al., Effect of
vaccination against hPV in the HPV-positive patients not covered by primary
prevention on the disappearance of infection. Scientific
reports 2025; 15:12642; doi.org/10.1038/s41598-025-92861-5)
Annette Kuhn
Eine aktuelle Netzwerk-Metaanalyse von 50 randomisierten Studien mit über 7200 Patientinnen zeigt, dass sämtliche Standardtherapien – oral oder topisch, Ein- oder Mehrtagesregime – hohe Heilungsraten von über 75 % erreichen. Die Einmalgabe von 150 mg Fluconazol erwies sich sowohl für die frühe klinische als auch für die späte mykologische Heilung als geringfügig überlegen gegenüber mehrtägigen topischen Therapien. Mehrtägige Itraconazol-Regime erzielten die besten Ergebnisse in der anhaltenden Symptomlinderung. Insgesamt verdeutlichen die Daten, dass orale Azole nicht nur eine bequeme Anwendung bieten, sondern auch eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit für klinischen Erfolg und mykologische Eradikation im Vergleich zu topischen Behandlungsformen besitzen – wenngleich beide Therapieoptionen insgesamt wirksam sind. (Gardella B et al., Am J Obstet Gynecol [2025]: 233:152–61)
Michael D. Mueller