White Paper für die Zukunft der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG): Quo Vadis Gynäkologie und Geburtshilfe in der Schweiz?
In der Schweiz ist, in naher Zukunft, ein Fachärztinnenmangel im Gebiet der Frauenheilkunde (Gynäkologie und Geburtshilfe) zu erwarten. Es gibt mehrere Anzeichen, die auf einen solchen Mangel hinweisen.
Die Schweizer Bevölkerung altert (1), was zu einem steigenden Bedarf an medizinischen Dienstleistungen führt, einschließlich der Frauenheilkunde. Gleichzeitig altert auch die Ärzteschaft, und viele Fachärztinnen und Fachärzte werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen (2). 2023 waren in unserem Fachgebiet 69,6 % der Berufstätigen Frauen, 30,4 % Männer. Das Arbeitspensum hat in den letzten Jahren in allen untersuchten Bereichen (Geschlecht, Region, Fachrichtung) abgenommen. Das durchschnittliche Arbeitspensum bei Frauen beträgt im Praxissektor 69 %. Wenn nicht genügend Nachwuchs nachkommt, entsteht eine Lücke, welche die medizinische Versorgung der Frauen gefährdet. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Fachgesellschaft reagiert und die Zukunft plant.
Im Juni 2023, anlässlich der Generalversammlung der SGGG, wurde der Vorstand beauftragt, einen Zukunftstag zu organisieren. Bei der ersten Vorbereitungssitzung hat sich herauskristallisiert, dass das Wort Zukunft unterschiedlich interpretiert werden kann. Deshalb wurde am 1. Mai 2024 ein „Quo Vadis Gynäkologie und Geburtshilfe“-Tag organisiert, bei welchem sich 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in verschiedenen Workshops austauschten, diskutierten, wichtige Themen debattierten und Lösungsansätze überlegten, wie sich unsere Fachgesellschaft für die Zukunft rüsten sollte. Zusätzlich wurde am Jahreskongress der SGGG ein sehr gut besuchter Workshop zum Thema Megatrends durchgeführt. Die folgenden Zeilen fassen die Überlegungen dieser beiden Anlässe zusammen und sollen helfen, die SGGG für die Zukunft zu positionieren
Die Zahl der Medizinstudierenden und derjenigen, die eine Facharztausbildung in der Gynäkologie und Geburtshilfe anstreben, ist begrenzt. Die Ausbildung in der Medizin dauert lange, und es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Ausbildungsplätzen für die Facharztausbildung. Zudem entscheiden sich viele Ärztinnen und Ärzte nach dem Studium für andere Spezialisierungen, die als weniger belastend oder besser vereinbar mit der Work-Life-Balance gelten. Die Frauenheilkunde steht also vor der Herausforderung, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen und langfristig zu binden. Um dies zu erreichen, sollten verschiedene Lösungsansätze verfolgt werden, die sich an den Bedürfnissen der jungen Generation orientieren und die Attraktivität des Fachgebiets steigern.
Um das Interesse an der Frauenheilkunde bereits während des Studiums zu wecken, sollten attraktive Wahlstudienjahr-Praktika und Angebote geschaffen werden, die praktische Erfahrungen in der Klinik und einen Einblick in unser Fachgebiet ermöglichen. Hier sind insbesondere die Kaderärzt*innen und Belegärzt*innen gefragt, positive Vorbilder zu sein und die Faszination für unser Fachgebiet den jungen Kolleginnen und Kollegen näher zu bringen. Die Verantwortung für die Organisation und Strukturierung des Medizinstudiums liegt jedoch bei den Universitäten und nicht bei unserer Fachgesellschaft. Durch aktive Teilnahme der SGGG an Informationsanlässen für Medizinstudierende (Medifuture, SMSC = swiss medical students convention usw.) und durch die finanzielle Unterstützung derartiger Anlässe kann unser Einfluss bei der Wahl der Fachrichtung angehender Ärztinnen und Ärzte gestärkt werden. Die Organisation von praktischen Workshops und „Hands-on“-Erfahrungen für Studierende könnten ebenfalls die Popularität unseres Faches steigern und Begeisterung wecken. Förderungsmaßnahmen im Studium sowie die Entwicklung guter Weiterbildungs-Curricula, die personalisierte Karrierepläne berücksichtigen, sind essenziell, um den Nachwuchs langfristig zu fördern.
Ein weiteres mögliches Instrument ist die Einführung eines Mentoringprogrammes bereits im Studium, das von erfahrenen Assistenzärztinnen und Assistenzärzten geleitet wird. Dies würde den frühzeitigen Kontakt zu potenziellen Mentorinnen fördern und Netzwerke schaffen, die sowohl für die Aus- wie Weiterbildung einen grossen Vorteil bringen würden.
Ein zentraler Aspekt ist die Förderung der „Work-Life-Balance“. Das Fachgebiet der Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist oft mit einer hohen Arbeitsbelastung und Stress verbunden, insbesondere in der Geburtshilfe. Dies kann dazu führen, dass Fachärzte und Fachärztinnen früher aus dem Beruf aussteigen oder dass weniger Nachwuchs in dieses Fachgebiet strebt. Durch eine personalisierte Karriereplanung und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten kann eine bessere Vereinbarkeit von Beruf einerseits und Familie und Privatleben andererseits gewährleistet werden. Dies ist besonders wichtig, um talentierte Nachwuchskräfte für die Frauenheilkunde zu gewinnen.
Ein klares Berufsbild Frauenheilkunde und die klare und verständliche, wertschätzende und kollegiale Kommunikation darüber, was es braucht, um Facharzt oder Fachärztin zu werden, ist ebenfalls von großer Bedeutung. Diese Informationen sollten gezielt an Studierende und insbesondere Assistenzärztinnen und -ärzte (AAes) vermittelt werden. In diesem Zusammenhang sollen Weiterbildende die Mitgliedschaft bei der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) den AAes in Weiterbildung näherbringen. Es ist zum Beispiel zu wenig bekannt, dass die ausserordentliche Mitgliedschaft für alle Assistenzärztinnen und Oberärztinnen kostenlos ist, bis zum Erlangen des SIWF-Facharzttitels. Hier ist insbesondere das Departement Bildung gefragt, Strukturen zu entwickeln, die die Zusammenarbeit mit den Facharztwärterinnen und Facharztanwärter und den zuständigen Weiterbildnern vereinfachen.
Schließlich sollten größere Netzwerke geschaffen werden, um den Austausch und die Weiterbildung im Fachbereich zu fördern und die Attraktivität der Frauenheilkunde als Karrieremöglichkeit weiter zu steigern. Durch diese umfassenden Maßnahmen können das Fachgebiet gestärkt und der dringend benötigte Nachwuchs nachhaltig gesichert werden.
Um die Attraktivität der Frauenheilkunde zu steigern und den Nachwuchs gezielt zu fördern, ist die Schaffung eines vielseitigen, ausgewogenen Weiterbildungs-Curriculums (WB-Curriculum) von entscheidender Bedeutung. Dieses Curriculum sollte eine ausgewogene Mischung aus invasiv-operativen, geburtshilflichen, sonographisch-bildgebenden und konservativen Elementen bieten. Dadurch erhalten die angehenden Fachärzte und Fachärztinnen eine umfassende Ausbildung, die alle wichtigen Aspekte des Fachgebiets abdeckt. Gleichzeitig dürfen die Tatsachen, dass unser Fachgebiet immer spezialisierter wird und dass Teilzeitarbeit schon während der Weiterbildung eine wichtige Rolle spielt, bei diesen Überlegungen nicht ausgeschlossen werden.
Eine frühzeitige Einsicht in die Spezialisierung Frauenheilkunde bereits im Masterstudium könnte dazu beitragen, dass Studierende gezielt ihre Interessen entwickeln. Des Weiteren sollte die Möglichkeit eines Fremdjahres für Grundversorger in Betracht gezogen werden, um eine breitere medizinische Grundausbildung zu gewährleisten und das Verständnis für die integrative Versorgung zu stärken.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die strukturierte Planung von Rotationen während der Facharzt-Weiterbildung, einschließlich einer obligaten Rotation in der Praxis. Dies ermöglicht den angehenden Fachärztinnen und Fachärzten, wertvolle praktische Erfahrungen zu sammeln und die verschiedenen Facetten des Berufs kennenzulernen. Eine frühe Weichenstellung und transparente und gezielte Karriereplanung unter Einbezug der erwarteten Work-Life-Balance ist wichtig, um die Weiterbildung effizient und in realistischer Zeit zu absolvieren.
Zusätzlich zur medizinischen Ausbildung sollte auch Wissen im Bereich der Betriebswirtschaftslehre (BWL) in die Facharztausbildung vermittelt werden. Dies hilft den zukünftigen Fachärztinnen und Fachärzten, die ökonomischen Aspekte und Folgen ihrer Tätigkeit besser zu verstehen und erfolgreich in einem zunehmend komplexen Gesundheitssystem zu agieren.
Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie haben gezeigt, dass sich Ärztinnen weniger sicher fühlen bei der Durchführung von gynäkologischen und geburtshilflichen Standardeingriffen und dass sie sich weniger gut auf die Tätigkeit als Fachärztin vorbereitet fühlen als ihre männlichen Kollegen (3). Es sind deshalb Verbesserungen der Weiterbildungsprogramme notwendig, welche auch darauf abzielen, strukturelle und/oder psychologische Faktoren, die ihr Selbstvertrauen beeinträchtigen, zu überwinden, vor allem in den operativen Bereichen unseres Faches. Dank der Einführung der Weiterbildungsmodule GESEA 1 und 2 konnte in den letzten Jahren eine gewisse Standardisierung in der Weiterbildung der endoskopischen Chirurgie erreicht werden. Die Integration von weiteren Simulationstrainings in die Weiterbildung, insbesondere in der Geburtshilfe und Ultraschalldiagnostik, ist eine weitere Möglichkeit, um das Selbstvertrauen in die manuellen Fähigkeiten zu fördern. Die Frage der Finanzierung dieser Simulationstrainings ist zentral. Unsere Politiker*innen müssen verstehen, dass in die Weiterbildung der Ärztinnen und Ärzte investiert werden muss, wenn die hohe Qualität des schweizerischen Gesundheitswesens aufrechterhalten werden soll. Insbesondere in einem Zeitalter, wo immer mehr Eingriffe ambulant durchgeführt werden, ist eine adäquate Finanzierung der Weiterbildung zwingend notwendig. Der finanzielle Druck in Weiterbildungsstätten wird immer grösser, sodass eine zunehmende Zahl Weiterbildungs-Institutionen sich überlegen, die Anzahl der Weiterzubildenden zu reduzieren und vor allem Fachärzt*innen anzustellen, welche einen Schwerpunkt anstreben.
Letztendlich sollten zwingend notwendige Weiterbildungsnachweise (z. B. Fähigkeitsausweis Schwangerschaftsultraschall, FAPL = Fähigkeitsausweis Praxislabor) in das Weiterbildungsprogramm integriert werden. Dies stellt sicher, dass alle Absolventen die erforderlichen Kompetenzen und Qualifikationen besitzen, um den hohen Standards der medizinischen Praxis gerecht zu werden.
Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen kann ein modernes und umfassendes Weiterbildungs-Curriculum geschaffen werden, das die Anforderungen des Fachgebiets und die Bedürfnisse der Nachwuchsmediziner optimal erfüllt.
In der aktuellen Diskussion um die Weiterentwicklung der Versorgungsmodelle im Gesundheitswesen stehen verschiedene Aspekte im Vordergrund, die sowohl die Effizienz als auch die Qualität der heutigen Versorgung sichern und wenn möglich optimieren sollen. Mit der zunehmenden Spezialisierung in der Frauenheilkunde und der Tatsache, dass auch die Zahl der Teilzeitarbeitenden in den nächsten Jahren zunehmen wird, werden „Einzelpraxen“ in Zukunft seltener werden. Die Betreuung der Patientinnen wird in Zukunft von mehreren (teils spezialisierten) Gynäkologinnen und Gynäkologen übernommen werden. Denkbar ist auch, dass sich operativ tätige Kolleginnen und Kollegen auf bestimmte Eingriffe spezialisieren (z. B. auf hysteroskopische Eingriffe oder nur auf vaginale Eingriffe etc.). Die Kommunikation zwischen den behandelnden Ärzt*innen wird in Zukunft eine zentrale Rolle spielen.
Ein weiterer Ansatz zur Optimierung der Versorgungsmodelle ist das Übertragen bestimmter Tätigkeiten an nicht-ärztliche medizinische Berufsgruppen, damit sich Ärztinnen und Ärzte auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können. Dies trägt nicht nur zur Entlastung der Ärztinnen und Ärzte bei, sondern kann auch die Effizienz der Gesundheitsversorgung steigern. Der Bund hat dieses Potenzial seit Längerem erkannt und in gewissen Bereichen bereits in die Umsetzung gebracht.
Es ist davon auszugehen, dass die Frauenheilkunde in den nächsten Jahren zunehmend eine Grundversorgungs- bzw. Gatekeeper-Funktion übernehmen wird, was zu einer Entlastung der Hausärztinnen und Hausärzte beitragen könnte. Es sollte daher darauf geachtet werden, dass die Facharztausbildung diesem Trend Rechnung trägt und eine internistische Grundausbildung in das Curriculum integriert wird. Ein mögliches Modell wäre die Forderung nach einem Weiterbildungsjahr in Innerer Medizin („Fremdjahr“).
In der Versorgung der Zukunft wird die (digitale) Vernetzung zwischen Kliniken und Zuweisern eine wichtige Rolle spielen, insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Ambulantisierung und der Umsetzung von Konzepten wie „Hospital@home“. Diese Vernetzung kann dazu beitragen, eine nahtlose Patientenversorgung zu gewährleisten und die Kommunikation zwischen den verschiedenen Leistungserbringern zu verbessern. Im Rahmen dieser Vernetzung spielt auch die „Harmonisierung zwischen öffentlichen und privaten Krankenhäusern“ eine wichtige Rolle. Eine stärkere Kooperation und Abstimmung kann dazu beitragen, Ressourcen effizienter zu nutzen und Versorgungslücken zu schließen.
Diese vielfältigen Ansätze zeigen, dass die Weiterentwicklung der Versorgungsmodelle eine komplexe Aufgabe ist, die eine enge Zusammenarbeit und Innovation erfordert, um den Herausforderungen im Gesundheitswesen gerecht zu werden. Ein zentrales Anliegen für eine optimale Patientinnenversorgung bleibt jedoch die „ärztliche Unabhängigkeit“ der Ärztinnen und Ärzte. Diese ist heute leider durch den zunehmenden Kostendruck im Gesundheitswesen gefährdet, und auch der neue Trend, dass immer mehr Gemeinschaftspraxen von Grosskonzernen übernommen und geleitet werden, stellt eine Gefahr für diese Unabhängigkeit dar.
Ein wichtiger Trend in der modernen Gesundheitsversorgung ist die fortschreitende Digitalisierung. Besonders der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) wird künftig eine bedeutende Rolle spielen, insbesondere bei der Reduktion administrativer Aufgaben. Dies sollte auch der Fokus sein, wenn neue Technologien in bestehende integriert werden, dass es nicht zu mehr, sondern weniger Administration kommt. Dies wird Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung zu haben, was sich positiv auf die Behandlungsqualität auswirken dürfte.
Auch digitalisierte Wearables werden zunehmend in die medizinische Versorgung integriert. Diese Technologie erlaubt eine kontinuierliche Überwachung von Patientinnen und Patienten und ermöglicht es, frühzeitig auf Veränderungen des Gesundheitszustands zu reagieren. Dadurch kann die Betreuung individuell und präziser gestaltet werden.
Ein weiterer entscheidender Vorteil von KI liegt in der Verbesserung der Diagnostik und Behandlungsplanung. KI und „Big Data“ machen eine präzisere Analyse von Patientendaten möglich, was zu personalisierten Behandlungsstrategien führt. Allerdings bedarf es noch wichtiger Gesetzesänderungen, um diese Technologien vollumfänglich zu nutzen. In der Bildgebung spielt KI bereits jetzt eine zentrale Rolle, und in vielen Bereichen wird sie bereits als „Triage-Tool“ eingesetzt, das pathologische Untersuchungen gezielt steuert.
Telemedizin und mobile Gesundheitsanwendungen (mHealth) haben den Zugang zu medizinischer Beratung stark vereinfacht. Frauen können heute schneller und unkomplizierter ärztliche Unterstützung erhalten, sei es für Routineuntersuchungen, Schwangerschaftsvorsorge oder gynäkologische Fragestellungen.
Trotz dieser Vorteile bestehen weiterhin Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich des Schutzes sensibler Gesundheitsdaten und des Zugangs zur digitalen Infrastruktur. Nicht alle Patientinnen profitieren gleichermaßen von diesen Innovationen, was die digitale Kluft vergrößern könnte. Dennoch bleibt die Digitalisierung ein maßgeblicher Treiber für Fortschritte in der Frauenheilkunde.
Ökologie und Nachhaltigkeit werden im Alltag immer wichtiger, weshalb auch unsere Fachgesellschaft mit dem Thema zunehmend konfrontiert wird.
Die Frauenheilkunde hat durch ökologische Maßnahmen das Potenzial, ihren ökologischen Fußabdruck erheblich zu reduzieren. Ein zentraler Aspekt ist die zunehmende Nutzung von Online-Fortbildungen und digitalen Konsultationen. Diese ermöglichen es, auf umweltfreundliche Weise Wissen zu teilen, da Reisen reduziert und Ressourcen geschont werden. Statt vieler kleiner Fortbildungen sollte der Fokus zunehmend auf weniger, dafür qualitativ hochwertigere Veranstaltungen gelegt werden, und das Einfliegen von Referierenden von anderen Kontinenten sollte der Vergangenheit angehören.
Auf Kongressen wird der Einsatz von Printmedien und Werbegeschenken zunehmend hinterfragt. Anstelle von Massenprodukten sollten zum Beispiel personalisierte, wiederverwendbare Becher gebraucht werden und auf eine nachhaltige Verpflegung geachtet werden.
Bisher haben sich Operationssäle nicht auf die Umweltauswirkungen konzentriert. Eine wachsende Bewegung unter OP-Teams versucht jedoch, dies zu ändern. Der moderne OP ist energieintensiv, produziert Unmengen an Plastikmüll und stößt erhebliche Mengen an Treibhausgasen aus. Einfache Änderungen – vom Austausch von Anästhesiemedikamenten bis hin zu wiederverwendbaren Materialien – könnten einen großen Unterschied machen. Zusammengefasst sind diese Schritte ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Nachhaltigkeit in der Frauenheilkunde.
Die Qualitätssicherung ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit der Fachgesellschaft und steht in engem Zusammenhang mit der kontinuierlichen Verbesserung der medizinischen Versorgungsstandards. Um eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich, die sich sowohl auf die medizinischen Inhalte, Praxisbedingungen als auch auf die Fortbildung des Fachpersonals konzentrieren.
Ein erster wichtiger Aspekt ist die Praxishygiene. Die Fachgesellschaft stellt grundlegende Richtlinien und Ressourcen zur Verfügung, um einheitliche Hygienestandards in den Praxen zu gewährleisten und kantonale Unterschiede auszugleichen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Förderung der medizinisch-inhaltlichen Qualität, beispielsweise mittels Erarbeitung und Zur-Verfügung-Stellung von Handlungsempfehlungen der Fachgesellschaft in Form von Expertenbriefen und Leitlinien, aber auch durch Patientinneninformationen und schriftliche sowie digitale Tools für eine optimale Aufklärung von Patientinnen vor medizinischen Interventionen. Zudem soll die Kontrolle der Fortbildung verstärkt werden, um sicherzustellen, dass die Mitglieder auf dem neuesten Wissensstand sind.
Besondere Bedeutung kommt der Qualität der Weiterbildungsstätten in den Spitälern zu. Es ist entscheidend, dass in den Weiterbildungskliniken weiterhin eine gute Mischung aus Patientenkollektiv, Supervision und Teaching sichergestellt ist, um den jungen Ärzt*innen die bestmögliche Weiterbildung zu bieten. Auch hier wird die Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen, um effiziente Lernmethoden und Informationsaustausch zu ermöglichen. Insbesondere im Bereich der Weiterbildung in Ultraschalldiagnostik besteht Verbesserungspotenzial, da die aktuelle Qualität der Weiterbildung heterogen ist und neben qualitativ hochstehenden Weiterbildungsstätten die Weiterbildung in gewissen Weiterbildungsstätten unzureichend ist. Praxisrelevante Weiterbildungsinhalte sollten stärker in die Ausbildungspläne integriert werden, um die Ärzt*innen bestmöglich auf den Alltag vorzubereiten. Neue Technologien wie KI bieten ein großes Potenzial für Qualitätsverbesserungen, etwa in der Diagnostik oder der Entscheidungsfindung.
Aufgrund des beschriebenen Fachärztemangels wäre es wünschenswert, dass ältere Kolleg*innen weiterhin arbeiten und gegebenenfalls auch bei der Ausbildung integriert werden.
Die Fachgesellschaft muss auch in Zukunft auf moderne Kommunikationswege setzen, um ihre Mitglieder effizient zu erreichen. So sollen die Expertenbriefe zukünftig nicht nur über den Newsletter, sondern auch über Webinare und Social Media verbreitet werden. Regelmäßige Podcasts sollen die Mitglieder über verschiedene, vor allem berufspolitische Themen informieren. Eine eigene App könnte zusätzlich einen schnellen und gezielten Zugang zu Informationen bieten.
Um Informationen möglichst allen zugänglich zu machen, werden Übersetzungen in die Landessprachen zeitnah zur Verfügung gestellt, wobei die KI sicherlich eine wichtige Unterstützung sein wird.
Der Kontakt zu Expert*innen für spezialisierte Themen sollte durch klar definierte Ansprechpartner*innen erleichtert werden, die auf einfachem Wege erreichbar sind. Veranstaltungen wie die Tagung „Quo Vadis“ könnten regelmäßig stattfinden, um den Austausch innerhalb der Fachgesellschaft zu fördern.
Literatur
Bundesamt für Statisik 24.08.2023
FMH-Ärztestatistik¸ Schweizerische Ärztezeitung 2024;105(12): 32–6
Meister T et al., The impact of gender on the self‑confidence of practical and surgical skills among OBGYN residents: a trinational survey. Arch Gynecol and Obstet 2024;309: 2669–79