FHA Persönlich

Bergblumen

Als Kinder durften wir jeden Sommer auf Einladung unseres Urgrossvaters (Uropa, Frauenheilkunde aktuell Heft 1/23, im Internet aufrufbar) an vielen Orten in den Schweizer Bergen verbringen – unsere Eltern hatten so eine Auszeit – und mit unserer Grossmutter manchmal etwas widerwillig auch ausgedehnte Bergtouren erleben – oft gefolgt von sehr unbeliebten Gesangstunden, die nach dem Mittagessen im Hotel zu erdulden waren – während andere Kinder spielen durften. Immerhin führten diese unerbittlichen Bemühungen – die Grossmutter war Opernsängerin gewesen – zu einer 78-rpm-Schelllackschallplatte zweistimmig mit meinem Bruder à capella mit Schweizerliedern („Lueged vo Berge und Tal“...etc.)

Ein Motivator für die Touren war, unbedingt das „one and only“ Edelweiss zu finden, was Illusion bleiben sollte, eine Fata Morgana. Zu dieser Zeit waren sie sehr rar und von der Ausrottung bedroht. Nicht richtig getröstet wurden wir durch die leicht ähnlichen, im Überfluss zu findenden „Katzenpfoten“, ebenfalls unscheinbar, aber nicht rar .So lernten wir, dass das Rare das Wahre sein muss. Spektakulär sehen Edelweiss ja nicht aus.

Zum Edelweiss gehören geheimnisumrankte Geschichten, wo junge Bergler, um ihrer Verehrten die Liebe zu beweisen, verwegen nach den so seltenen Blumen stiegen und gelegentlich dabei zu Tode kamen. Wir waren oft auf der Lenzerheide, wo wir nie ein Edelweiss fanden, die uns dann aber doch noch reichlich entschädigte durch viele Walderdbeeren und zahllose Eierschwämme, was aber nicht dasselbe war.

Aus heutiger Sichtweise ist undenkbar, was in unserer Bäckerei-Konditorei an der Spyristr. 7 in Zürich im Sommer auflag: grosse Teller mit zahllosen Grossenzianen – shocking aus heutiger Sicht.

Der bereits im 19. Jahrhundert begonnene Bergpflanzenschutz wurde nach dem 2. Weltkrieg wegen Ausrottungsgefahr durch immer mehr Touristen strenger durchgesetzt (ich erinnere mich an Rucksackkontrollen).

Dies und ich denke ein allgemeines Umdenken, dass heute jeder mit seinem Smartphone mühelos alles festhalten kann und dass man eingetopfte, gezüchtete Edelweisse und Enziane ad libitum kaufen kann, hat die Situation entspannt. So kann man sich dann auf das Spannendste konzentrieren: sie zu finden.

Tipps fürs Engadin:

  • Die Edelweisstour im Val Fex sei nicht verraten: Wer sucht – am besten im Juli –, der findet, insbesondere, wenn er weiss, wo man suchen muss.
  • Ein einmaliger Streifen, ca. 200 Meter breit und einen Kilometer lang oberhalb des Waldes von Bos-cha im Juni, wo man tausende Männertreu (unter Blumen gibt es tatsächlich unzählige), dunkel und hell, und viel anderes findet: einfach dort niedersitzen, Duft, Farben und das Summen in sich aufnehmen: das ist meditativ.

Abbildungen
Eine willkürliche Auswahl von Bergblumen im Juli 2025 im Engadin fotografiert. 

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