Vom Zuschauen zum Mitgestalten: Lernen und Netzwerken statt nur Streamen
In allen Berufen treffen sich Menschen regelmäßig, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln. In der Medizin ist dies jedoch nicht nur eine Möglichkeit, sondern fast schon eine Verpflichtung: Das Wohlergehen unserer Patientinnen und Patienten steht an erster Stelle – und wir sollten stets die bestmögliche Therapie nach dem aktuellsten Wissensstand anbieten. Wer an Kongressen oder Fachveranstaltungen teilnimmt, kehrt immer bereichert zurück – selbst dann, wenn er oder sie „nur“ zuhört.
In den letzten Jahren sind wir mit Online-Seminaren und Webinaren regelrecht überflutet worden. Auch wenn diese Form der Fortbildung gewisse Vorteile hat, ersetzt sie nicht den Lerneffekt einer Präsenzveranstaltung. Die Energie und Inspiration, die ein live gehaltener Vortrag vermittelt, kann weder Papier noch Bildschirm bieten. Der Gewinn ist noch grösser, wenn man aktiv mitdiskutiert oder selbst einen Vortrag hält. Die intensive Auseinandersetzung mit einem Thema, die Vorbereitung und der direkte Austausch eröffnen oft neue Ideen und Perspektiven. Die Begeisterung der Vortragenden, die Diskussionen, das spontane Feedback – all das prägt sich viel stärker ein und motiviert nachhaltig.
Nicht zuletzt entstehen auf solchen Treffen auch persönliche Kontakte und Freundschaften, die weit über das Fachliche hinausreichen und unser Berufsleben bereichern.
Besuchen wir also Tagungen nicht nur aus Pflichtgefühl oder um Credits zu sammeln, sondern mit Freude – und mit dem Bewusstsein: Jede Begegnung, jeder Vortrag, jedes Gespräch bringt uns weiter. Als Ärztinnen und Ärzte. Und als Menschen.
Für die Herausgeber
Michel Mueller